Wenn Musik Brücken baut – Wolfgang Niegelhell und das Projekt Leben
Es gibt Auftritte, die man nicht vergisst. Wolfgang Niegelhell schwebte bei einem Konzert in der Grazer Stadthalle von 16 Metern Höhe quer über das Publikum hinweg, die Panflöte in der Hand, „Time to Say Goodbye" auf den Lippen. Die Halle war voll, die Stille davor absolut. Für ihn selbst war es mehr als ein Bühnenmoment – es war Beweis dafür, dass alles möglich ist, wenn man bereit ist, aufeinander zuzugehen.
Diese Überzeugung zieht sich durch alles, was Niegelhell tut. Nach seiner Erblindung hat er sich nicht nur eine neue Existenz als Musiker aufgebaut – Panflöte, Keyboard, Querflöte, Akkordeon, Geige – sondern auch ein Projekt, das ihm mindestens genauso am Herzen liegt: Projekt Leben. Dabei besucht er Schulen und Bildungseinrichtungen, vom Kindergarten bis zur Universität, und zeigt Kindern und Jugendlichen, wie er als Blinder seinen Alltag meistert. Möglich gemacht hat das nicht zuletzt sein Blindenführhund – ein Tier, das ihm buchstäblich neue Wege geöffnet hat und ohne das er vieles, was er heute tut, nicht tun könnte.
In seinen Schulbesuchen bringt er Hilfsmittel mit, erklärt Blindenschrift, spielt Spiele, die Sehende und Blinde gemeinsam spielen können – und übt ganz konkret, wie man auf einen blinden Menschen zugeht. „Schlimmstenfalls kommt ein tolles Gespräch heraus", sagt Niegelhell. Vor Kurzem sprach ihn in Graz jemand auf der Straße an – ein Schüler, den er vor fünf Jahren besucht hatte. Für Niegelhell die beste Bestätigung, die er sich vorstellen kann.
Weil er weiß, was ein Führhund bedeutet, treibt ihn ein weiteres Ziel an: Der Aufbau der ersten gemeinnützigen Bundesstiftung für Blindenführhunde und Assistenzhunde in Österreich. Ein Blindenführhund kostet bis zu 45.000 Euro – für viele Betroffene unerreichbar. Die Stiftungsurkunde liegt bereits bei den Behörden. Ist sie genehmigt, soll künftig jeder, der einen Assistenzhund braucht, einen kostenlos erhalten. Dafür sucht Niegelhell noch Unterstützerinnen und Unterstützer.
Beim Militärmusikfestival 2026 in Graz steht er nun auf einer der größten Bühnen des Jahres – ausverkauft. Für ihn ein weiterer Traum, der Wirklichkeit wird.
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